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BeitragVerfasst: So 26. Sep 2010, 16:15 
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Neuling
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Chapter one
Intro

Es begann zunächst mit einem mit einem Lied - einem Lied, welches Mandy, eine 21jährigen in Deutschland lebenden jungen Frau mit jedem Hören in ihrer Gedankenwelt versinken ließ, dort, wo sie glaubte weit abgeschnitten von den Grausamkeiten der Realität existieren zu können. Doch erkannte sie mit “Leech”, so der Titel der am 12. 11. 2008 in Japan erschienen Single der Band “the Gazette”, dass dieses Lied einen viel mehr direkt in das Gesicht der Realität schauen und Gefühle wie Hass, Wut und Enttäuschung empfinden lässt. Aber niemand schien sich je wirklich Gedanken um solche Dinge zu machen, weshalb man solche derartigen Songs von Ausnahmekünstlern  lediglich in Importartikelläden wie “Neo Tokyo” zu erhalten und in welchem sie selbst tätig war.
Auch viele Titel der von Ruki erdachten Lieder wie „Guren“ entstanden aus dem Altjapanischen und wurde nur noch sehr selten gebraucht, sodass diese alte Sprache in Vergessenheit zu geraten schien und für jeden normalen, in Japan lebenden Bürger kaum zu verstehen war.  Und Mandy wusste genau, mit welcher Intensität und Leidenschaft Sänger Ruki an seine Texte heranging - er ließ sich von Kleinigkeiten des Lebens beeinflussen, auch wenn es für andere als unwichtig erschien. Dinge, die ihn beschäftigten, schrieb er auf und formte einen wundervollen Text daraus, der die Menschen zum Nachdenken anregte. So war es auch bei Mandy, die Tage und Nächte lang wach gelegen und sich über einen Text den Kopf zerbrochen hatte. Doch die Lösung hielt sie schon lange in den Händen, die in CD-Form bereits seit Wochen in ihrem Regal stand, die die Daten des bereits abgeschlossenen “Peace & Smile Carnival” vom 03.01.2009 beinhaltete. Doch aus einem Grund, den Mandy sich nicht erklären oder deuten konnte, hatte sich ein immer mehr zunehmendes und seltsames Gefühl in der 21jährigen ausgebreitet. Gleichzeitig hatte sie sich aber keine weiteren Gedanken mehr darum gemacht, sondern erfreute sich an ihrem erstanden Stück von “the Gazette” und der beigefügten Video-DVD mit dem Video zur Single - denn noch ahnte Mandy nichts von ihrem Schicksal…

Es war ein verregneter Februarmorgen, dem Mandy einen trübseligen Blick aus dem Fenster ihres kleinen Wohnzimmers schenkte. Graue Wolken hinterließen auf sie einen bleischweren Eindruck, als sie verträumt mit den Fingerspitzen ihrer rechten Hand das kalte Glas berührte. Im Hintergrund waren wie jeden Tag die Nachrichten im Fernsehen zu hören, doch schienen diese plötzlich ein seltsames Gefühl in der 21jährigen erwecken zu wollen. Noch immer wollte sie sich nicht daran gewöhnen, allein zu leben und der Grund dafür waren keine Streitereien mit ihrer Familie, sondern berufliche Wege, die sie gehen musste. Seit circa einem Jahr arbeitete Mandy in einer vor zwei Jahren neu gegründeten Filiale für japanische Importartikel, wie sie es bereits in Großstädten wie Berlin, München und Düsseldorf unter Namen wie “Neo Tokyo” oder “OCS” gab. Doch gehörte der Verkauf dieser heiß begehrten Artikel verschiedener Musikinterpreten nicht in den Aufgabenbereich der jungen Frau, die vor dieser Berufsrichtung eine zweijährige Ausbildung zur Kosmetikerin absolviert hatte. Aber der Zufall hatte es letztendlich mit sich gebracht, dass Mandy mehr im Büro saß und sich um das Marketing kümmerte. Selbst die Wurzeln ihres Chefs stammten aus dem Land der aufgehenden Sonne, doch lebte dieser bereits seit seinem fünften Lebensjahr in Leipzig und brachte die 21jährige mit seinem sächsischen Akzent immer zum Lachen, wenn sie einen schlechten Tag erwischt hatte oder es mit ihren Werbevorstellungen nicht funktionierte. Sie nannte ihn immer “japanischer Sachse”, eine Tatsache, die ihr Chef, der mit vollständigen Namen Hayashi Sato hieß, immer lächeln ließ und er dennoch zu wissen schien, was sie meinte. Und so war es auch dieses Mal das Handy, dass von ihrem Chef an diesem Morgen zum Klingeln gebracht wurde und welches Mandy aus ihrer Gedankenwelt herausriss. Meist waren es für die 21jährige sinnlos erscheinende Sätze wie “Bring ein Päckchen Kaffee mit.” oder “Ich habe Brötchen bei unserem Lieblingsbäcker bestellt, hol sie bitte ab, bevor du herkommst.” und manchmal hatte Mandy das Gefühl, ihr Chef würde sie wie ein Kleinkind behandeln, welches man hin- und her scheuchen konnte.
Aber anderseits war sie froh, diesem Menschen begegnet zu sein - denn er hatte ihr einen Arbeitsplatz gegeben, nachdem die 21jährige als arbeitsuchende Kosmetikerin nicht das ausleben konnte, was man ihr gelernt hatte und so war es im Endeffekt nicht mehr wichtig. Wichtig war für ihren Chef nur, dass sie ein Auge für das Schöne hatte und damit umgehen konnte, um es in der Art der Werbung widerspiegeln zu lassen. Dort brauchte man keine Cremes und Ampullen, um Dinge schön aussehen zu lassen, sondern nur einen Kopf voll gestopft mit Kreativität und Einfallsreichtum. Das Mandy hin und wieder Hand anlegen musste, wenn ihr Chef körperliche “Problemchen” wie einen verspannten Nacken hatte, störte sie keineswegs und umsonst hatte sie diese goldene Gabe nicht erlernt.
“Moshi moshi!”, ertönte es darauf am Telefon und zauberte der 21jährigen ein freudiges, gleichzeitig aber immer noch müde erscheinendes Lächeln auf die Lippen. Wie sie bereits einmal mehr erahnen konnte, war es ihr Chef, welcher ihr mit Sicherheit irgendwelche Aufträge geben wollte, bevor sie ihren Fuß in den Laden setzen würde. “Was gibt es?”, fragte Mandy auch sofort und hörte ihren Chef lachen. Doch die 21jährige erkannte rasch, dass dieser Mann nicht allein war.

“Ich habe eine Überraschung für dich.”, meinte dieser auch sofort und ein Ausdruck voller Fragen stand Mandy im Gesicht geschrieben.
“Ich habe doch gar nicht Geburtstag.”, meinte sie darauf verwirrt und hörte ihren Chef erneut lachen. “Das weiß ich und es hat auch gar nichts mit dem zutun. Aber bevor du mir weiter irgendwelche Fragen stellst, bewegst du deinen Apfelpopo hier her.”, erklärte dieser ungeduldig und zugleich seufzend. Mandy räusperte sich, hörte im Hintergrund nur wieder diese fremde Männerstimme und musste feststellen, dass diese Person aufgrund der Sprache ein Japaner sein musste. Aber Mandy verwirrte es umso mehr, als auch Hayashi begonnen hatte, auf Japanisch zu kommunizieren - er tat es selten, wenn er mit ihr telefonierte oder sich mit ihr von Angesicht zu Angesicht unterhielt. Die 21jährige beherrschte die Weltsprache Englisch sehr gut und hatte auch seit geraumer Zeit mit dem Selbststudium der japanischen Sprache begonnen. Von daher war es ihr auch möglich gewesen, einige Wortfetzen verstehen zu können und die ihren Kopf mit unzähligen Fragen auszufüllen versuchten.
“Ähm…Hayashi-Schatz?”, erhob sie darauf fragend ihre Stimme und hielt einen Moment lang inne, bevor Hayashi ihr endlich die nötige Aufmerksamkeit schenkte.
“Wer sitzt bei dir im Büro?”, fragte Mandy weiter und brachte ihren Chef mit dieser Frage zum losprusten.  “Okay, ich gebe dir einen Hinweis und danach kommst du her.”, begann Hayashi, der nun derjenige war, der einen Moment lang inne hielt. Dieser Moment, der nicht länger als Sekunden andauerte, entwickelte sich für Mandy zu einer Ewigkeit, die sie laut seufzen ließ.
“Wenn wir uns richtig gut anstellen…wenn du dich richtig gut anstellst, haben wir etwas in der Hand, was die Läden a la ´Neo Tokyo´ noch nicht haben. Wir dürfen dann Merchandise einer sehr beliebten Band vertreiben, die man sonst nur im Internet kaufen kann.”, versuchte Hayashi zu erklären, doch erreichte er nicht die gewünschte Reaktion von Freude, sondern nur ein mattes “Aha.”, das über Mandy’s Lippen huschte. Es war nicht die Tatsache, dass es die 21jährige nicht erfreute, sondern, weil sie zu verwirrt war, als das sie weiter etwas dazu sagen konnte.
“Okay…”, begann sie darauf zu stammeln und konnte wahrnehmen, dass Hayashi ihr ein weiteres Mal erklärte, sich endlich in Bewegung zu setzen. Und so wurde das Gespräch abrupt beendet. Mandy stand nun inmitten ihres kleinen Wohnzimmers und starrte wie gebannt, ja fast schon hypnotisiert aus dem Fenster. Es war ein unglaublich seltsames Gefühl, welches plötzlich in ihr innewohnte und versuchte, völlig von ihr Besitz zu ergreifen. Sie stellte sich Fragen, zu denen es jedoch keine Antworten zu geben schien - nicht jetzt, nicht hier.
Es war die falsche Zeit und der falsche Ort.
“Kuso!”, fluchte sie laut auf Japanisch und  meinte damit so viel wie “Scheiße!”. Es war ein Schimpfwort, welches die 21jährige in letzter Zeit immer öfter benutzte, wenn ihr etwas nicht rechtens war. Im Endeffekt blieb ihr nichts anderes mehr übrig, als nach einer Antwort auf ihre Fragen zu suchen und so schnell sie sich dem bewusst wurde, so schnell war sie auch im Badezimmer verschwunden, bis sie letztendlich in ihrem Auto saß - es war ein Mazda 3 in dunklem silbergrau und wurde von einigen kitschigen Utensilien geschmückt, darunter eine knallrote Federboa auf der Kofferraumablage, einem violetten Affen am rechten Fenster der Rückbank, der den Namen “Ruka” trug und einem Rosenkranz am Rückspiegel.

Dieser gehörte zum wertvollsten und wichtigsten Besitz der 21jährigen, denn es war ein Geschenk ihrer Mutter und deren dazugehörigen Worte  “das es immer auf dich Acht gibt.”.
Mandy konzentrierte sich daraufhin so auf den Verkehr, dass sie fast falsch abgebogen wäre. Ein peinlich berührtes Lächeln umspielte darauf ihre Lippen, als ein anderer Autofahrer ihr die Vorfahrt gewährleistete, obwohl sie die 21jährige nicht hatte und so begab sie sich auf das letzte Stückchen Weg. Ihr Arbeitsplatz lag relativ zentral in einem der großen Kaufhäuser. Ihr Chef hatte sich dabei auf die junge Kundschaft der Importartikel konzentriert und somit existierte der Sitz seines Ladens im “Alleecenter”, welches gern und oft von vielen und vor allem jungen Menschen besucht wurde - schon allein, um den Nachmittag mit Freunden dort zu verbringen, nach der Schule dort Kaffee zu trinken oder einfach nur durch die Schaufenster zu bummeln. So stand auch Mandy kurze Zeit später vor dem Laden, dessen Name in auffälliger Leuchtschrift gehalten war. “Ima doki” lautete der Name des kleinen Geschäftes, welches sich unmittelbar zwischen einem Taschen- und Schuhgeschäft befand. Die Bedeutung des Namens hatte Hayashi kurz nach ihrer Einstellung als “Herzschlag” bezeichnet und versuchte mit diesem Begriff den musikalischen Beat zu symbolisieren, da diese Filiale überwiegend CDs und LIVE-DVDs verschiedener Musikbands zum Verkauf gab.  

Der Eingang war für Außenstehende bereits auffällig genug, da dieser mit farbigen Lichterketten versehen war. Das Schaufenster wurde mit Photobooks und Zeitschriften diverser Namen wie “Arena 37°C” oder “Neo Genesis”, sowohl auch CDs und DVD’S geschmückt, während ein schaufenstergroßes Plakat mit dem darauf abgebildeten “Ima doki”-Logo die Basis des ganzen bildete.
“Hayashi?”, plärrte die 21jährige in den reich geschmückten, bunten Raum und wartete einige Minuten lang darauf, dass ihr Chef sie in das sich hinter der Kasse befindenden Büro rief. Mandy lächelte nicht, als sie dem Mann, der ihr Chef und um einiges größer als sie war, in das Gesicht starrte. Nein, ihr Blick wirkte steif, fast leer und wie das einer Puppe. Sie wollte dem vor kurzem 30 Jahre alt gewordenen Mann keinen Hauch ihrer Verwirrung offenbaren oder diesem deutlich machen, das es etwas gab, dass sie innerlich beunruhigte.
“Vergiss nicht, deine Arbeit ernst zu nehmen. Das alles ist sehr wichtig für uns und diesem Laden. Denn wenn wir diese Fische an Land gezogen haben, stürmen die Leute uns die Bude ein und wir haben für unser Leben ausgesorgt.”, versuchte Hayashi daraufhin zu erklären und das, obwohl es nicht das war, was Mandy hören wollte. Doch spielte das in diesen Moment keine Rolle mehr, als wenige Sekunden später ein junger Mann, ungefähr in Hayashi’s Alter, im Nadelstreifenanzug  und Brille mit dezentem Rahmen vor der 21jährigen stand und sich freundlich vor dieser verbeugte, während ein leises und dennoch gut hörbares “Hajimemashite.“ über seine Lippen kam. Er hatte Mandy begrüßt, so viel wurde der 21jährigen bewusst und sie auch die Geste des Mannes freundlich erwiderte.
„Hoffentlich hast du ihm erklärt, dass ich nicht wirklich viel von seiner Sprache verstehe?“, knurrte Mandy, während sie ihrem Chef, der ihr nur frech in das Gesicht grinsen konnte, einen flüchtigen Blick zugeworfen hatte.

Die Zeit darauf schien jedoch wie stehen geblieben, als die 21jährige zusammen mit Hayashi dem Mann im Nadelstreifenanzug gegenübersaßen und auf sein Anliegen warteten. Er lächelte unbeholfen, als würde er nicht wissen, wie er sich ausdrücken sollte. „Mein Name ist Hiromu Hirano und ich bin Marketingpromoter bei PS-Company, dieser Firmenname dürfte nicht allzu unbekannt sein.“,  ertönte es darauf in gut verstehendem Englisch aus dem Mund des Mannes, der sich soeben als Hiromu vorstellte und der Marketingpromoter eines der bekanntesten Plattenlabels in Japan war. Für Mandy war es schockierend und zusehend konnte man beobachten, wie der 21jährigen immer mehr versuchte das Herz in die Magengegend zu rutschten und sie immer blasser zu werden schien. Für ihren Chef waren die Worte dieses Mannes schon viel bekannter, als sie es seiner 21jährigen Angestellten waren. Diese saß nur da und starrte dem Marketingpromoter verwirrt und beinahe schon entsetzt in das Gesicht. “Wissen Sie, wir suchen jemanden, der in der Lage ist, gute Werbung zu machen. Das, wie es bis jetzt ist und wie wir es kennen, reicht nicht. Die Kunden kennen das alles bereits, aufgrund der gleich bleibenden Werbung und genau deswegen wird weniger gekauft. Wir haben eine Menge Geld einbüßen müssen, weil kein ausreichender Umsatz gemacht wurde und das können wir uns nicht leisten.”, versuchte Hiromu nach langen Erklärungen abzuschließen und sorgte somit nicht nur für unendliche Verwirrung in Mandy, sondern auch dazu, dass diese versuchte nun alles zusammenzuzählen und eine Erklärung für das ganze Geschehen zu finden, während ihr Blick zu ihrem vor sich hin grinsenden Chef wanderte und in seinem Gesicht hängen blieb.

“Mit dir habe ich ein Hühnchen zu rupfen…”, seufzte Mandy wenig später, während ihre Stimme bereits nach der Ruhe vor dem Sturm klang und sie zusammen mit Hayashi vor dem Laden stand und den Marketingpromoter die zu verkaufenden Artikel und Werbetechniken begutachten ließ. Die 21jährige raufte sich nervös die Haare, während sie an dem Schaufenster des Ladens auf- und abging.
“Ich habe ihn angeheuert, weil ich das Beste für das Überleben von ´Ima doki´ wollte. Warum regst du dich darüber so auf?”, fragte Hayashi bedacht und hielt Mandy davon ab, den 30jährigen weiterhin von ihrer ansteigenden Nervosität anzustecken.
Die 21järige lachte auf und als würde sie den Worten ihres Chefs keinen Glauben schenken wollen.
“Hayashi, weißt du, was dieser kleine Nadelstreifenfutzi für Ansprüche hat? Hast du gehört, was er von einem abverlangt? Das ist nicht normal und das schafft auch kein normaler Mensch. Chancen hin oder her, aber mir ist das’ne Nummer zu groß.”, regte sich Mandy daraufhin beinahe schon auf, wenn Hayashi ihre Lautstärke nicht gezügelt hätte und ihr einen aufgebrachten Blick zuwarf.
“Jetzt reiß dich mal ein wenig zusammen, ja? Du bist kein kleines Mädchen mehr, das von nichts eine Ahnung hat! Dieser Mann versteht sein Handwerk und in Japan ist es üblich, dass die Leistungsanforderungen höher als in anderen Ländern sind.”, versuchte Hayashi zu erklären, doch erreichte er damit genau das Gegenteil - statt Mandy beruhigen zu können, regte sich diese nur noch mehr auf, sodass sich gar Nasenbluten bei ihr eingestellt hatte und sie nun wie ein dummes Kind vor Hayashi stand und sich mit einem Zellstofftaschentuch die Nase zuhielt, um den Blutfluss stoppen zu können.

“In unserem Land ist es unsittlich, sich in der Nähe anderer Menschen die Nase zu putzen, hat Ihnen das Herr Sato nicht beigebracht, obwohl seine Wurzeln aus Japan stammen?”, ertönte darauf die Stimme des Marketingpromoters und ließ Mandy, sowohl Hayashi erschrocken zusammenfahren. Die 21jährige wäre am liebsten im Erdboden versunken, hätte sich eine Ecke zum Verkriechen gesucht oder wäre diesem Mann im Nadelstreifenanzug und zu spießigem Gerede an die Kehle gesprungen oder hätte ihm die Augen ausgekratzt, wenn man ihr Möglichkeit dazu gegeben hätte. Aber sie versuchte sich mit einem peinlich berührten Lächeln an ihrem inneren Ruhepol festzuhalten, um sich nicht noch mehr in Aufregung oder Hayashi in Ärger hineinzustürzen.
“Entschuldigen Sie mich.”, meinte die 21jährige und verschwand im Laden, ließ die beiden Herren aus Japan einfach stehen und kümmerte sich für die nächsten Minuten nicht weiter darum. Sie wollte nur eins: Ruhe.
Tage wie diese hasste Mandy wie Fliegen in einer Suppe, doch ließen sie sich nicht vermeiden und sie musste lernen, über gewisse Dinge hinweg zu sehen - unabhängig davon, ob es ihr leicht fiel oder nicht. Aber selbst die 21jährige hatte ihre Grenzen und das Gefühl, sie bald zu erreichen, nahm mit jedem ihrer Atemzüge zu.
Sie hatte sich seufzend auf den Stuhl niedergelassen, auf welchem sie vor wenigen Minuten bereits saß. Die Tür, die vom Büro in den Laden führte hatte sie offen stehen lassen und so konnte Mandy jedes einzelne Wort, obgleich diese nur sehr dumpf klangen, hören. Und Mandy glaubte, Hayashi würde sich absichtlich mit dem Marketingpromoter von PSC auf englischer Sprache unterhalten, sodass die 21jährige plötzlich kopfschüttelnd lächeln musste und ihr Taschentuch sich dabei als sehr störend erwies, sie aber nichts daran ändern und sie einfach nur lauschen konnte.

“Sie ist sehr schwierig, oder?”, fragte Hiromu in Hayashi’s Gesicht lächelnd und dieser nur lachend seinen Kopf schütteln konnte, während er seine Arme vor der Brust verschränkte.
“Ich konnte mich nie beschweren. Aber sie ist etwas überfordert mit dem, was Sie ihr erklärt hatten.”, versuchte der 30jährige daraufhin zu erklären und brachte den nadelstreifenanzugtragenden Marketingpromoter ebenfalls zum Lachen und dazu, Hayashi’s Worte abzuwinken.
“Ich meinte es keineswegs böse, oder wollte diese junge Frau verschrecken…aber mir liegt es sehr am Herzen, dass die Werbung sehr gut läuft und auch die Kunden wieder zum Kaufen angeregt werden. Das letzte Jahr verlief katastrophal und so kann und darf es nicht weitergehen.”, seufzte Hiromu und räusperte sich kurz,  lächelte schließlich wieder und es Hayashi nur benicken konnte.
“Wie lange sind Sie hier?”, fragte der 30jährige schließlich und wandte einen Blick in den leer gebliebenen Laden.
“Eine Woche und eigentlich erwarte ich noch jemanden.”, seufzte Hiromu erneut und blickte neugierig in die treibende, bunte Masse von Menschen. Mandy’s Chef dagegen machten diese Worte stutzig, doch hatte er das Gefühl, nicht danach fragen zu dürfen, sondern die Worte dieses Mannes einfach hinzunehmen und ihm nickend zuzustimmen.
“Wenn Ihre Kollegin wirklich so talentiert ist, wie Sie es behauptet haben, erlaube ich mir, Ihnen als Gegenzug und kleines Geschenk, ein komplett neues Design für den Ladennamen und dessen Logo erstellen zu lassen…natürlich nur, wenn Sie und Ihre Kollegin nichts dagegen haben.”, erklärte Hiromu schließlich und blickte in das fast erstarrte Gesicht des 30jähigen Ladenbesitzers, der mittlerweile den Eindruck hinterließ, dass ihm jeden Moment die Kinnlade herunterfiel und er darauf zu stammeln und sich unentwegt zu verbeugen begann.
Er wusste zwar nicht, aus welchem Beweggrund dies geschehen sollte, aber Hayashi wurde nun bewusst, auf der sicheren Seite zu stehen.
“Danke, Herr Hirano.”, sagte Hayashi fast schon genauso zurückhaltend wie ein Junge bei seinem allerersten Date und verbeugte sich nochmals, während Hiromu ein weiteres Mal die Worte des 30jährigen abwinkte und dabei lächelte.
“Schon gut, das ist doch selbstverständlich. Man tut halt alles für ein gutes Geschäft und außerdem würde es sehr viel Aufsehen erregen, schließlich würde nicht irgendein dahergelaufener Grafikdesigner diesen Auftrag erhalten…”, versuchte Hiromu zu verdeutlichen und erweckte somit Fragen in Hayashi, die versuchten, seinen Kopf auszufüllen. Daraufhin war nur ein Räuspern zu hören und die Blicke des 30jährigen sowohl des Marketingpromoters in das Gesicht eines jungen Mannes mit dunkler Sonnenbrille fielen. Dieser grinste frech, ja fast schon völlig unverschämt in die Gesichter der beiden Männer, während zwei weitere und um einiges größere Gestalten hinter dem jungen Mann auftauchten und eher an schweigende Riesen, als an Menschen erinnerten..
“…da ich diese Arbeit übernehme.”, sagte der junge Mann darauf prompt und warf neugierig einen flüchtigen Blick in das Innere des Ladens.
“Ruki? Warum hat das so lange gedauert?”, hob Hiromu fragend und beinahe entsetzt seine Stimme und brachte den beim Namen genannten jungen Mann zum Lachen. “Es gab einige Schwierigkeiten.”, waren darauf nur Ruki’s Worte, bevor er einfach im Laden verschwand und weder Hayashi noch Hiromu hielten ihn davon ab.
Selbst Mandy bekam von den weiteren Geschehnissen nichts mehr mit, sie hatte sich, nachdem endlich die erhoffte Ruhe in ihr zurückkehrte und auch das Nasenbluten aufhörte, mit anderen Dingen beschäftigt und stand nun auf einer Leiter an einem Regal, welches sie umzudekorieren begann. Die 21jährige vernahm weder das Klingeln des Glöckchens an der Kasse, noch das Gepfeife und verfolgte einfach eifrig ihre Arbeit weiter. Doch egal was es war, immer gab es etwas, was Mandy an ihrem Tun hinderte und so war es dieses Mal der Pappschuber einer Live-DVD der Band “12012“, der auf den mit schachbrettähnlichen Fliesen versehenen Boden landete und den sie zuvor nach seinem Inhalt auf Vollständigkeit kontrolliert hatte.
“Mann!”, murmelte die 21jährige und drehte sich ungeschickt auf der Leiter, sodass sie letztendlich innerhalb von wenigen Sekunden das klappernde Geräusch der umgefallenen Leiter im Raum hören konnte.      
“Autsch….”, stöhnte sie ihre Augen zusammenkneifend - doch da war noch etwas anderes. Mandy atmete ein Gemisch von Wärme, angenehmen Männerparfum und kaltem Zigarettengeruch ein und brachte die 21jährige zum Zusammenfahren.
Erschrocken hatte sie darauf ihre Augen aufgerissen und blickte in das Gesicht eines jungen Mannes, von Ruki der unbeholfen lächelte und welchem die dunkle Sonnenbrille von der Nase gerutscht war.
“Hi.”, grinste er schließlich und schoss mit seinen Worten Schamröte in das Gesicht von Mandy, die es jedoch kaum wagte, sich zu bewegen oder überhaupt zu atmen.
Schuld daran war nicht die Tatsache, dass sie sich ungeschickt angestellt hatte und von der Leiter fiel, dabei auch noch einen Mann als Auffangkissen nutzte.
Nein, es war die Tatsache, dass es nicht irgendein Mann oder üblicher Kunde war.
Nicht irgendjemand, den man Tag für Tag auf offener Straße begegnen konnte.
Aber genauso wenig war es ein Traum - das machten die pochenden Schmerzen in den Knien der 21jährigen bewusst. Es war Ruki, der hilflos unter ihr lag und ihr dabei auch noch frech in das Gesicht grinste. Ja, Ruki - Sänger der Band “the Gazette”, Verkaufsschlager und beliebteste Band international.

Stets beeindruckte der vor kurzem 27 Jahre alt gewordene Sänger Mandy mit seinen tiefgründigen und berührenden Texten, aber auch mit seiner hohen Stimmgewalt in jedem einzelnen Lied.
Doch was tat er hier?
Gehörte er etwa zu Hayashi’s Vorhaben?

“Du darfst gern ein anderes Mal so auf mir liegen, nur hier und jetzt ist das ein bisschen schlecht.”, scherzte Ruki und so schnell Mandy auf ihm gelandet war, so schnell kroch sie auch von dem 27jährigen wieder herunter und starrte diesem umso entsetzter in das Gesicht - ungeschminkt hübsch und blass wie helles Porzellan, während vereinzelt rotbraune Strähnen in seinem Gesicht hingen.
“Tut mir leid…ich war ungeschickt.”, stammelte Mandy und half Ruki auf die Beine. Für die 21jährige war es ein verwirrendes Gefühl, einfach so vor Ruki stehen zu können und es eine Tatsache war, für die eingefleischte Fans sogar töten würden.
Und Mandy, ob sie es wahrnehmen wollte oder nicht, hatte zum einen Teil das erreicht, was ihr bis langem verwehrt geblieben war - schon seit sie das erste Mal mit noch nicht mal 19 Jahren von “the Gazette”, damals nur “Gazette”, hörte, war es ihr Wunsch, diese Band selbst einmal hautnah erleben zu dürfen. Daraufhin folgte im Sommer des Jahres 2006 das erste Deutschlandkonzert auf der Animagic, zu welchem zuvor sogar im Internet Auslosungen eines so genannten “Handshaking-Days” stattfanden und Mandy aufgrund fehlenden Internetanschlusses weder daran teilnehmen, noch das eigentliche Konzert aufgrund zu spät erfahrender Termine  besuchen konnte. Und somit verging ein weiteres Jahr. Im Rahmen der “Stacked Rubbish - Pulse Wriggling To Black” - Tour 2007-2008 sollten drei Konzerte in Deutschland stattfanden und ein weiteres Mal durfte die 21jährige nur bittere Enttäuschungen erleben. Selbst die in Berlin stattgefundene Autogrammstunde war für Mandy ein weiterer unerreichbarer Traum. Während Freunde von ihr die Konzerte und auch die Autogrammstunde besuchen konnten, saß Mandy daheim und verfluchte jene Zeit - nur ein kleines Trostpflaster konnte der 21jährigen zu diesem Zeitpunkt gegeben werden: ein T-Shirt dieser Tour, welches ein Geschenk einer Briefbekanntschaft von Mandy war und diese die 21jährige für einen winzigen Moment glücklich machen konnte.  
Und heute?
Nun stand Ruki vor ihr - lebendig und grinsend.
Mandy war verwirrt und auch Ruki diese Tatsache deutlich spüren konnte, aber der 21jährigen nicht das Gefühl gab, sich in irgendeiner Hinsicht lächerlich zu machen oder gar ein kindisches Benehmen zutage zu legen. Eher im Gegenteil, er nahm es mit Verständnis auf, unabhängig davon, dass er die Beweggründe dieser vor sich stehenden und verwirrt blickenden, jungen Frau nicht kannte.
“Alles in Ordnung?”, fragte der 27jährige stattdessen und riss somit Mandy in die Realität zurück, ließ sie erschrocken zusammenfahren.
“Was?!”, reagierte sie darauf beinahe schon aufgebracht und ließ Ruki lautstark loslachen, sodass Mandy schlagartig rot anlief und dies mit einem unbeholfenem Lächeln zu vertuschen versuchte. “Das Personal ist echt nett.”, grinste Ruki nach wenigen Minuten und sah sich einem Moment lang das hinter Mandy stehende und auffällig dekorierte Regal an. “Es tut mir leid.”, seufzte die 21jährige peinlich berührt und ließ Ruki ihre Worte abwinken, während aus dem Hintergrund bereits Hayashi’s kräftige Stimme zu hören war.
“Darf man erfahren, was hier vor sich geht?”, fragte Mandy’s Chef, welcher darauf unmittelbar hinter Ruki stand und sich ein sehr amüsantes Bild aufgrund des enormen Größenunterschiedes ergab.
“Alles in bester Ordnung.”, gab Mandy rasch zu verstehen und hob jenen zu Boden gefallenen Pappschuber auf.
“In dem du Verkaufsmaterial beschädigst?”, frotzelte Hayashi, nachdem er Mandy beobachtet hatte und ihr den Pappschuber regelrecht aus den Händen gerissen hatte. Und die 21jährige spürte deutlich, das heute einer jener Tage war, an denen ihr Chef unerträglich war und sie viel lieber im Bett liegen geblieben wäre. Keiner von beiden schien jedoch in diesem Moment daran zu denken, dass Ruki noch immer da stand und das Treiben der beiden aufmerksam beobachtete, jedoch ohne, dass er nur ein einziges Wort verstehen konnte.
“Ich hab nichts beschädigt, klar?! Erklär mir lieber, was das alles soll!”, konterte Mandy sich mit verschränkten Armen an dem Regal lehnend, während das Blut in ihren Schläfen erneut zu pochen begann und erneut eine Hitzewelle ihren Körper zu überfluten versuchte. Doch statt eine Antwort auf ihre Frage zu bekommen, schien Hayashi die 21jährige regelrecht auszulachen und ihr, wie bei einem kleinen Kind, den Kopf tätschelte.
“Oh Mädchen, Mädchen! Bist du wirklich so dumm, oder tust du nur so?”.
Fragte Hayashi sie das gerade wirklich oder war es einer seiner Scherze?
Mandy hingegen  fand es eher weniger zum Lachen und wäre ihrem Chef viel lieber an Ort und Stelle an die Kehle gesprungen. Sie hinterließ den Eindruck, als würde ihr jeden Moment jegliche Farbe aus dem Gesicht weichen und auch der Gedanke, dass Ruki noch immer  in unmittelbarer Nähe stand, schien verschwinden zu wollen.
“Weißt du was?! Du kotzt mich gerade voll an! So etwas wie Scham kennst du wohl auch nicht, hä?”, zischte Mandy und warf ihrem Chef wütende Blicke zu.
“Entschuldigung…”, machte Ruki sich schließlich bemerkbar und schien mit seiner Anwesenheit jegliche Streiterei schlichten zu wollen, schon allein aus dem Gedanken heraus, eventuell der Schuldige an diesem Wortgefecht zu sein.
“Du sollst nach Japan!”, gab Hayashi schließlich zu verstehen und drängte Ruki beinahe in Mandy’s Arme. Die 21jährige starrte entsetzt in das Gesicht ihres Chefs, welcher so außer Atem schien, als wäre er Teilnehmer eines Marathons gewesen.
“Und der Kleine hier sponsert uns ein neues Design für den Laden!”, fuhr Hayashi fort und klopfte dem 27jährigen Sänger permanent auf die Schultern.
Mandy hingegen verstand die Welt nicht mehr und irgendwie war es plötzlich zu viel für die junge Frau, sodass sie schlagartig auf die Knie sinken wollte, wenn es nicht Ruki gewesen wäre, der sie auf den Beinen halten konnte.
“Mädchen, was machst du?!”, fuhr Hayashi erschrocken auf und veranlasste, dass Ruki mit Mandy im Büro verschwinden und sich die 21jährige setzen sollte.

“Alles okay?”, fragte Ruki und ließ sich auf dem Stuhl gegenüber Mandy nieder, während man Hayashi durch den Laden rufen hören konnte. Mandy nickte und nippte an ihrer Wasserflasche und sie daraufhin ein Seufzen ausstieß.
“Ich war nur etwas erschrocken.”, meinte sie, um Ruki verstehen lassen zu können, warum sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, als dann auch schon Hayashi zusammen mit dem Marketingpromoter das Büro betreten hatte.
“Geht es wieder?”, fragte der Chef die 21jährige, welche erneut einen lauten Seufzer ausstieß und sich die in ihr Gesicht gefallenen Haarsträhnen wegstrich. Mandy nickte, um darauf nochmals an ihrer Wasserflasche zu nippen. “Ja, aber jage mir nie wieder so einen Schrecken ein, ja?”, Tränen spiegelten sich plötzlich in ihrer Stimme wieder und die 21jährige senkte ihren Kopf, versuchte ein weiteren Seufzer zu unterdrücken und zog somit die Blicke aller Anwesenden auf sich.
“Was ist denn los?”, fragte Hayashi besorgt und kniete sich vor der jungen Frau nieder, um den Grund erfahren zu können, warum diese plötzlich da saß und weinte.
Vielleicht tat sie es vor Glück?
Vielleicht tat sie es aber auch vor Angst?

“Tut mir leid.”, seufzte Mandy und wischte sich hastig die Tränen von den fiebrig roten Wangen und lächelte wie ein beschämtes Mädchen, welches stolperte und vor einer großen Menschenmasse auf die Knie gefallen war.
Ihr Chef sah ihr stutzig in das Gesicht und lächelte dann ebenfalls.
“Du Dummerchen!”, lachte er und erhob sich darauf, während Ruki und der Marketingpromoter verwirrt in die Richtung von Hayashi blickten. Dieser winkte aber nur peinlich berührt von allem mit den Worten “Alles in Ordnung.” ab, um weiteren Fragen aus dem Wege gehen zu können. Dass sich diese jedoch nicht gänzlich vermeiden lassen würden, wusste selbst ein 30jähriger Mann wie er.
“Wollen die Herrschaften einen Kaffee oder etwas anderes trinken?”, fragte Hayashi schließlich in die Runde blickend und er ein Grinsen von Ruki zugeworfen bekam.
“Etwas zu essen wäre nicht schlecht.”, meinte der 27jährige und darauf schon das laute Knurren seines Magens zu hören war, dass alles anderen Anwesenden im schallenden Gelächter ausbrechen ließ. Selbst Hiromu konnte sich kaum vor Lachen aufrecht auf seinem Stuhl halten, denn er wusste genau, was passieren würde, wenn Ruki Hunger hatte und nicht im nächstmöglichen Zeitraum etwas zu Essen bekam. Der 27jährige mutierte zu einer regelrecht tickenden Zeitbombe und ließ keine Sekunde aus, um seine absackende Laune deutlich zeigen zu können.
“Mandy, machst du das? Ich meine, wenn du auch in der Lage bist, dich auf den Beinen zu halten.”, versuchte Hayashi daraufhin Mandy zu erklären, die ihm nur seufzend und ohne weitere Worte ein Nicken entgegenbrachte, bevor sie sich von ihrem Stuhl erhob und sich zur immer noch offen stehenden Tür bewegte.
“Was soll es denn sein?”, fragte die 27jährige, ohne sich dabei umzudrehen.
Und wieder war das Gefühl, ein Laufbursche für alles und jeden zu sein - obwohl Mandy innerlich genau wusste, dass es nicht stimmte. Es waren diese in wenigen Stunden gesammelten Eindrücke und geschehenen Dinge, die sie unsicher werden ließen und sich alles andere als real anfühlten. Das, was ihr widerfahren sollte, grenzte an allem, nur nicht an der Realität, in der sie bis langem lebte.


Warum passierte es, dass ein gewöhnlich aufgewachsenes Mädchen und nun heranwachsenden jungen Frau solche Dinge widerfuhren? Dinge, von denen sie nur träumen konnte. Sie hatte nie eine Möglichkeit besessen, die ihre Träume wahr werden ließen. Mandy lebte in einer Welt, in der es diese Dinge nicht gab - und so erschuf sie sich jene fanatische Welt in ihren Gedanken, dort, wo sie ihr niemand nehmen konnte. Sie waren fest verschlossen wie ein Schatz, den die 21jährige selbst über den Tod hinaus nicht aufgeben wollte.
Es sollte etwas sein, das nur sie besaß und nur sie. Mandy wollte anders sein, nicht so wie alle anderen und auch nicht so wie diese Mädchen, die viel ausgingen und sich mit Männern auf ausgiebigen Partys amüsierten. Nein, dieses Leben wollte sie nicht und dafür geschaffen zu sein, lag auch gar nicht in der Absicht der 21jährigen, schon allein aus jenem Grund, viel zu ruhig und zurückhaltend zu sein. Aufgrund dieser Art wurde sie in der Vergangenheit oft zum Opfer ihrer vermeintlichen Freunde, die sie lediglich ausnutzten. Nicht zuletzt waren es hinterhältige Mobbingattacken entstanden aus Neid - Mandy, die immer hübsch angezogen die Welt betrat, anständiges Benehmen zutage legen konnte du immer strebsam war. Für die 21jährige war das Verhalten solcher Menschen nicht nachvollziehbar und sie konnte es weder damals, noch heute verstehen.  
Warum waren die Menschen so? Warum lebte sie in dieser Welt, die oft so grausam erschien und dann plötzlich doch so wunderbar sein konnte?
Doch waren dies Dinge, an die Mandy jetzt nicht denken sollte.

Sie stand da, während Ruki ihr bereits von seinem Menüwunsch vortrug und Mandy ihm gar nicht zuhörte. Es war einerseits beleidigend, dass Ruki sich mit einer Wand unterhalten konnte und nur, weil Mandy wie so oft in ihre Träumerei verfallen war.
Aber erneut brach schallendes Gelächter aus und die 21jährige zuckte erschrocken unter der Welle dieser Männerstimmen zusammen, drehte sich verwirrt in jene Richtung und erkannte daraufhin auch schon wieder die abwartende Haltung der Gesichter dieser drei Gestalten vor sich.
“Was ist denn?”, fragte sie sichtlich irritiert und konnte darauf beobachten, wie sich durch die Haare fahrend Ruki von seinem Platz erhob und sich auf die 21jährige zubewegte. Sein Lächeln kennzeichnete einerseits Selbstverständlichkeit und rücksichtsvolles Betrachten des Mädchens vor sich - anderseits von seufzendem Unverständnis.
“Bevor du wieder deinen Stehsinn verlierst und ich nichts in den Magen bekomme, begleite ich dich lieber.” waren darauf die Worte des 27jährigen, welcher bereits vor Mandy das kleine Büro verlassen hatte. Mandy war verwirrt und zeigte dies auch deutlich ihrem Chef mit ihren zu ihm werfenden Blicken. Doch entgegnete dieser nur eine Geste, die verriet, Mandy aus dem Laden scheuchen zu wollen und unabhängig davon, wie verwirrt sie war, so verstand die 21jährige auch ohne Worte, was dieser Mann von ihr verlangte. Sie winkte ihm ab und verschwand ebenfalls aus dem Büro, konnte sehen, wie sich Ruki mit der Security unterhielt und Mandy fragte sich, ob sie ein weiteres Anhängsel für sie bedeuten würden.
Sie sah den 27jährigen und gleichgroßen, jungen Mann lachen und fragte sich, ob er genau diese Figur darstellen konnte, die sie in ihre Fantasiewelt hineingeboren hatte.
Hatte er wirklich diese Rolle, die ihm die 21jährige zugeteilt hatte?
Mandy lächelte kopfschüttelnd und redete sich ein, dass es nicht notwendig wäre, sich Gedanken darüber zu machen.
Die reale Welt und die Welt ihrer Fantasien besaßen große Unterschiede, genau, wie sie zwischen Tag und Nacht existierten. Und wieder war es Mandy die in Gedanken versank, nicht bemerkte, dass Ruki frech grinsend vor ihr stand und die 21jährige dabei beobachtete, wie sie  völlig in Gedanken verloren vor sich hinstarrte und dabei lächelte. Für den 26jährigen war es ein amüsanter Anblick, für Mandy war es eher peinlich, als sie völlig erschrocken in Ruki’s Gesicht starrte.
“Ähm…”, stammelte sie und lief dabei rot an, sodass Ruki im Gelächter ausbrach und sie ohne weiteres hinter sich her aus den Laden zerrte.
“Also, wenn du nach Tokio kommst, solltest du deine Träumerei abstellen.”, lachte Ruki und verglich Mandy mit seinen Worten fast schon mit einem elektrischen Gerät, welches man nach Belieben auf Knopfdruck an- und ausstellen konnte. Völlig irritiert und erbost über seine wenigen Silben, hatte sich Mandy von dem 27jährigen losgerissen und blieb inmitten des leicht gefüllten Ganges stehen.
Wusste er, wovon er redete?

“Was tust du? Was redest du da?”, fragte Mandy schließlich und sah, wie sich der 27jährige über das ungeschminkte Gesicht fuhr. “Hör zu, ich  würde gerne etwas essen und besser wäre es, wenn ich dir das alles  währenddessen erkläre.”, erklärte Ruki völlig in seiner Ungeduld versunken, während er seine Hände in die Hüften gestützt hatte.
Ja, und Mandy stellte fest, dass der 27jährige anders war, als in ihrer Fantasiewelt und doch konnte es nur so sein - es war selbstverständlich.
Mandy schwieg, als hätte man ihr jegliche Worte aus ihrem Mund gezogen und wie Asche im Wind verstreut. Zu gern hätte sie gegen Ruki gekontert, doch blieb ihr nichts anderes übrig, als dem 27jährigen gegenüber zu schweigen und diesem nun fast schon wie einem Haustier zu gehorchen.
Es waren daraufhin kaum Minuten, die verstrichen und sich Mandy zusammen mit Ruki  in einem der sonst so gefüllten McDonalds - Restaurants wieder fand.
Zusammen mit dem 27jährigen stand sie hinter einer recht kleinen Schlange von Menschen, die lediglich zum Frühstücken hergekommen waren und auch Ruki schien sich kaum beruhigen zu wollen, als er den appetiterregenden Geruch von frischem Kaffee und gebratenem Rührei mit Speck vernahm. Er freute sich und grinste der 27jährigen ins Gesicht. Sie, die nur den Dolmetscher spielen durfte, wenn Ruki sich nicht richtig ausdrücken konnte, stand neben diesem und seufzte. Nein, so war die Realität - sie zeigte einem stets die Wahrheit.
Daraufhin war eine halbe Stunde vergangen und Ruki hatte sich prompt dazu entschieden, Mandy zum Essen einzuladen. Dies war etwas, womit die 20jährige nicht rechnete und auch nie daran dachte.
“Es tut mir leid, wegen vorhin.”, versuchte Ruki mit voll gestopftem Mund zu erklären. Auf Mandy hinterließ der 27jährige Sänger den Eindruck, als hätte er seit Tagen nicht mehr richtig gegessen und Mandy belächelte es, denn es war eine niedlich anzusehende Tatsache.
“Schon gut.”, widersprach Mandy sofort und schob Ruki ihren Tablett hin, nachdem er seine Portion innerhalb von wenigen Augenblicken verdrückt hatte. Er war verwirrt und blickte genauso in das Gesicht der 20jährigen.
“Willst du nichts essen?”, fragte er schließlich und sah Mandy lächelnd abwinken.


“Es ist okay, du hast es viel nötiger als ich. Ich habe genug auf den Rippen, aber dir macht der Jetlag  sicher zu schaffen, oder? Also lang ruhig zu.”, erklärte die 21jährige immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen und beobachtete Ruki innerlich amüsiert, wie dieser ihr unsicher in das Gesicht blickte und ihm dabei sein rot-braun-verwaschenes  Haar in feinen Strähnen  in das blasse Gesicht fiel.
“Ich wollte dich doch einladen…”, schmollte der 27jährige wie ein Kind und ließ seinen Blick von Mandy’s Gesicht auf das rote Tablett wandern. Mandy begann zu lachen, während Ruki erschrocken zu ihr aufblickte und unbemerkt rote Wangen bekam.
“Hör auf zu lachen.”, meinte er fast schon peinlich berührt und beobachtete die anderen Gäste, welche jedoch völlig unberührt von diesem Geschehen weiterhin ihr Frühstück genossen.  Doch das Lachen der 21jährigen verstummte, verwandelte sich wieder nur in ein Lächeln und ihre Augen an Ruki’s Gesicht hängend.
“Jetzt iss!”, forderte sie daraufhin mit gespielter Ruhe und beobachtete Ruki, wie dieser seufzend nach dem mit dem McDonalds-Logo verzierten Pappbecher griff und diesen vor Mandy auf den Tisch stellte.
“Dann trink wenigstens deinen Kaffee.”, seufzte der 27jährige genervt von der Tatsache,  Mandy’s Angebot nicht ablehnen zu können, obwohl er innerlich wusste, dass sie Recht hatte und die schwerwiegende Zeitumstellung ihm zusetzte. Ja, er war müde und würde viel lieber in einem Bett liegen, den versäumten Schlaf nachholen und das Frühstück auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Aber was nützte es ihm, wenn er an andere Dinge, als an sein eigenes Wohl denken musste? Der 27jährige war gebunden und hatte Verpflichtungen, solche, wie diese - vor einer jungen Frau sitzend, deren Leben vor einer völligen Veränderung stand und der 27jährige nur als ein kleiner Teil davon existent war. Es war ein beklemmendes Gefühl, daran zu denken, wie einfach damals alles war. Heute war jeder Schritt den Ruki tat an eine Überlegung gebunden, aus Angst, am nächsten Tag mit Schlagzeilen in einer Klatschzeitung oder dem Fernsehen zu erscheinen.
Aber war er nicht selbst daran schuld?
Ruki hatte sich dieses Leben in der japanischen High Society ausgesucht, wollte Musiker werden und war nun Sänger einer der erfolgreichsten Bands in Japan. Er hatte umgerechnet mit knapp 196000€ im Jahr für sein  und das Leben seiner Familie ausgesorgt, konnte regelrecht mit seinem Geld um sich werfen, ohne, dass er diesem eine Träne nachweinen musste. Geld und fast unendliche Freiheiten waren die glänzenden Seiten seines und das Leben seiner Bandkollegen, aber Einsamkeit, Zeitdruck und unendlicher Stress lagen wie Schatten auf der kleinen Seele dieses jungen Mannes, welcher Mandy völlig geistesabwesend und gleichzeitig wie ein Irrer in das blasse Gesicht starrte. Der 21jährigen brachte es Schauder, die unaufhörlich über ihren Rücken liefen und sie zusammenfuhr, gleichzeitig ihren Kaffee vorm Umkippen rettete und Ruki fragend ansah.
“Alles in Ordnung?”, fragte die 21jährige wenige Sekunden darauf und erhielt lediglich ein Lächeln als Antwort, während Ruki daraufhin auch schon begonnen hatte, über seine erstandene zweite Portion Rührei mit Speck und einem Buttercroissant herfiel.
“Sicher?”, fragte Mandy von Neugier gepackt weiter und ließ ihren Blick unverändert in dem Gesicht des 26jährigen ruhen. Dieser wollte sich soeben die weiße Plastikgabel in den Mund schieben, wovon er allerdings abgesehen hatte und Mandy anlächelte.
“Bist du immer so?”,  fragte er und trug einen unsicheren Blick im Gesicht. Mandy verstand nicht, was er damit meinte und es verwirrte sie sichtlich.
“Wie meinst du das?”, antwortete sie mit einer Gegenfrage, obwohl sie wusste, dass es unhöflich war.  Daraufhin war er es, der einen leicht entsetzten Blick im Gesicht trug. Mit Gegenfragen zu antworten war er nicht gewöhnt, wobei er sofort daran dachte, dass die Mentalität der Deutschen viel temperamentvoller war, als die der Menschen aus seinem Heimatland. Er seufzte und fuhr sich durch sein Haar.
„Schon gut…“, sagte er und hielt im selben Moment inne.
„…aber mal etwas anderes. Hast du dich mittlerweile entschieden?“; fuhr Ruki schließlich mit einer Frage fort, welche Mandy unruhig werden ließ. Sie starrte in ihren Kaffeebecher und schwieg.
„Diese Sache ist nicht leicht für dich, hm? Ich meine, ich kann dich verstehen und ich weiß, wie du dich fühlen musst. Glaube nicht, dass ich, nur weil ich zu einer beliebten Band gehöre, keine Gefühle in mir und mich an den Teufel verkauft habe. Aber weißt du, mir ging es vor einigen Jahren nicht anders. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt immer nur Musik gemacht, sei es hinter dem Schlagzeug oder schließlich am Mikro. Doch wenn irgendwann die Zeit kommt und du denkst, du hast dein Bestes getan und willst das auch anderen Menschen beweisen, dann leitest du Dinge ein, die dich vor eine große Entscheidung stellen. Du stehst unter Druck und weißt nicht, was du tun sollst. Du stellst dir Fragen, wie ´Wenn ich nein sage, wird man mich dann hassen? ´ oder ´Wenn ich ja sage, wird man mich dann mehr akzeptieren?´. Du weißt nicht, was du richtig oder falsch machen würdest und spätestens dann gehst du einen großen Schritt vorwärts, deine Entscheidung fällt dir einfach in den Schoß und du nimmst sie an. Entweder, du bereust es oder nicht.“, versuchte der 27jährige schließlich zu erklären, ohne zu ahnen, dass er dem vor sich sitzenden Mädchen Dinge erzählte, die sie so schnell gar nicht verarbeiten konnte. Aber Mandy verstand, worauf Ruki hinaus wollte.
„Bereust du es etwa, Sänger geworden zu sein?“, fragte sie mit kindlicher Unschuld die Ruki zum Lachen brachte, während er mit der Plastikgabel in dem restlichen Rührei stocherte.
„Ich bereue nur, mein Leben verkauft zu haben. Klar, ich möchte nicht leugnen, dass ich mit Geld nur so um mich werfen kann. Ich möchte auch nicht leugnen, dass ich mir mehr als andere leisten kann. Aber Reichtum und Berühmtheit machen nicht glücklich. Man zieht nur die Aasgeier an, die versuchen, dich auf hinterhältige Weise auszunehmen. Sie sehen nur das Geld, deinen Status. Du bist nur eine langweilige Schaufensterpuppe mit hübschen Kleidern, aber dennoch völlig uninteressant.“, sagte Ruki nachdenklich. Mandy stupste ihn an und hatte währenddessen völlig vergessen, wer da vor ihr saß. Egal, was er ihr erzählte, Mandy würde nach wie vor unverändert in seinem Schatten stehen und egal, wie viel Recht er hatte, es würde sich nichts ändern. Viel zu gern würde die 21jährige mit dem Wissen leben, dass Ruki genauso gewöhnlich wie sie war und dass man gemeinsam unbeschwert das Frühstück genießen konnte.  „Bist du fertig? Wir sollten dann auch langsam zurück, schließlich waren wir lange genug weg.“, sagte Mandy mit einem flüchtigen Lächeln auf den Lippen. Ruki griff nach ihrer rechten Hand und blickte ihr ernst in das Gesicht.
„Du musst das nicht tun, wenn du das nicht willst. Zwinge dich zu nichts, was du hinterher bereuen könntest.“, erklärte er und ließ von der 21jährigen ab, um sich den beiden aufeinandergestapelten Tabletts zu widmen. Mandy saß unverändert auf ihrem Stuhl, während Ruki nach der Halterung für das benutzte Geschirr suchte. Sie seufzte und fuhr sich über das Gesicht. Schon immer wollte sie nach Japan, wenigstens ein Mal in ihrem Leben.
Aber das daran eine Entscheidung hängen sollte, kam ihr bis langem nicht in den Sinn.
„Lass uns gehen.“, ertönte es daraufhin in ihren Ohren. Mandy zuckte leicht zusammen und sah in Ruki’s Gesicht, beobachtete den 27jährigen dabei, wie er sich die schwarze Wollmütze über den Kopf zog und die Sonnenbrille aufsetzte. Sie nickte ihm zu und verschwand mit nach draußen. Die Gänge des Einkaufszentrums füllten sich immer mehr. Ja, immer mehr Schüler und Schülerinnen zog es in die Restaurants und Cafés.
„Ich werde gehen.“, sagte Mandy, während sie neben Ruki herlief und dieser schlagartig stehenblieb.
„Bist du dir sicher? Ich meine, hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“, fragte er schließlich und hielt Mandy am rechten Ärmel ihrer Jacke fest. Erschrocken starrte sie ihn an.
„Was? Ich, ähm…“, sie war genauso erschrocken wie Ruki. Die 21jährige hatte einen Entschluss gefasst, mit dem Risiko, es hinterher zu bereuen. Aber damit hatte sie sich bereits abgefunden, als sie in Ruki’s weitaufgerissene Augen blickte.
„Bist du dir wirklich sicher? Hast du dir das gut überlegt und das auch noch so schnell?“.
Mandy hatte das Gefühl, als wollte Ruki ihr diese Idee so schnell wie möglich wieder ausreden und anderseits verwirrte es die 21jährige etwas. Sie wusste in diesen einzigen Moment, in dem die Zeit stillzustehen schien, nicht, was nun richtig oder falsch war. Sie hatte eine Entscheidung gefällt, war sich dem sogar bewusst und nun sollte es doch verkehrt sein.  
„Wenn ich es jetzt nicht tue, werde ich es nie tun. Mir wird praktisch die Chance in den Rachen geschoben, warum sollte ich sie nicht annehmen? Schon solange wollte ich nach Japan, es war mein Traum, seit ich vierzehn bin.“, erklärte Mandy bewusst dem 27jährigen Sänger, welcher nur noch Lächeln  konnte.
Aus den darauf folgenden Minuten wurden Stunden. Mandy hatte ihrem Chef und dem Marketingpromoter von PSC  von dem ihren gefassten Entschluss erzählt und erwartete deren Urteil, egal, ob dieses vernichtend sein konnte oder nicht.
„Und du bist dir zu hundert Prozent sicher? Ich meine, hast du dir das wirklich gut überlegt?“, fragte Hayashi und starrte erwartungsvoll auf eine Antwort und gleichzeitig überrascht in das Gesicht der jungen Frau, die wie auf einem Präsentierteller inmitten des Aufenthaltsraumes umringt von 3 jungen Männern stand.
Ein Seufzen überkam die Lippen der 21jährigen, die nun ihre Arme vor der Brust verschränkt hatte und noch einen Moment lang abwartete, ob nicht Ruki oder der Marketingpromoter noch etwas von sich geben wollten.
Doch es herrschte todernstes Schweigen, denn alle warteten auf sie, warteten auf Mandy.
„Ja, ich habe mich entschieden, ohne, dass ich jetzt weiter darüber nachdenken und schließlich ins Zweifeln kommen will. Und das ist nicht wirklich das, was du willst, oder Hayashi? Im Endeffekt tu ich es nur für dich und für deinen Laden, verstehst du? Anderseits erfüllt sich ein kleiner Traum von mir, den ich schon bereits als 14jähriges Mädchen hegte. Also akzeptiere meine Entscheidung einfach und dränge mich nicht weiter.“, meinte Mandy und ließ sich auf einen der umher stehenden Stühle nieder, als sie eine warme Hand auf der linken Schulter spüren konnte.
Die junge Frau schreckte jedoch nicht auf, sondern ließ ihren Blick in das Gesicht des Marketingpromoters wandern. „Auch wenn ich nicht viel von der deutschen Sprache verstehe, so bin ich doch über Ihren Mut erstaunt. Ich meine, ich bin auch nur ein Übermittler der höheren Chefetagen unserer Firma und handle in deren Auftrag, gleichermaßen aber auch aus privatem Sinne, weil ich noch eine Rechnung offen hatte. Also bitte ich Sie dennoch, uns auch nicht zu enttäuschen und noch heute Abend mit mir und Ruki nach Berlin  zu reisen.“, erklärte Hiromu mit sanfter Stimme, als wollte er nicht nur Mandy sondern jeden damit im Raum überzeugen.
Die Nackenhaare der 21jährigen stellten sich auf und Schauder durchliefen ihren Körper bis zum Zusammenfahren – was würde noch auf sie zu kommen?
Womit würde man sie noch unerwartet konfrontieren und zu einer Entscheidung drängen?
Mandy seufzte und war unfähig zu jeder einzelnen Bewegung in diesem Augenblick.
Doch ein gespieltes Lächeln zierte die Lippen der jungen Frau, als noch immer ihr Blick immer noch im Gesicht des Marketingpromoters  haftete.
„Herr Hirano, so heißen Sie doch, oder?“, hob Mandy fragend ihre Stimme, um sicher zu gehen, sich mit dem Namen dieses Mannes nicht zu irren und erhielt ein bestätigendes Nicken von diesem.
„Warum packen Sie nicht endlich alles aus Ihrem Zauberhut aus, statt mich immer wieder vor unvollendeten Tatsachen zu stellen. Es ist nicht angenehm, wenn man eine Tatsache nach der anderen vor den Latz geknallt bekommt und man im Endeffekt zusehen muss, wie man sich damit zurechtfindet. Ich meine, ich habe mich entschieden und bin demnach auch bereit, mit Ihnen und Ruki mitzugehen. Und demnach möchte ich mich jetzt auch bei den Herrschaften entschuldigen, ich muss schließlich noch meine Sachen packen gehen.“, erwiderte es die 21jährige in einem fast schon schnippischen Ton, nachdem sie ihre Bewegungsfähigkeit wiedererlangt hatte und sich von ihrem Platz erhob.
„Und ich nehme an, ich werde noch weitere Überraschungen  erleben, oder, Herr Hirano?“, erkundigte sich Mandy sofort und doch verlangte sie keinerlei Antwort sondern wandte sich ihrem eigentlichen Chef zu, dem sie ein finsteres Lächeln zuwarf.
„Gnade dir Gott, dass du Glück hast und das alles nicht nach hinten losgeht. Wir sehen uns….“,  gab die 21jährige dem Mann flüsternd zu verstehen, der sie mehr als nur mit großen Augen ansah, ehe Mandy nach ihrer Tasche und ihren Autoschlüsseln griff und aus dem Laden stürmte. Wut, Verzweiflung und sämtliche  Emotionen, die diesen beiden Begriffen sehr nahe kamen, spiegelten sich in dem ohnehin blassen Gesicht dieser 21jährigen jungen Frau wieder. Und jeder, der sie danach fragen würde ob sie überfordert sei,  würde sie diese Frage nicht einmal übel nehmen können, denn es war die Wahrheit. Mandy war mehr als nur überfordert von den Dingen, die erbarmungslos auf sie herab geprallt  waren.
Doch nun waren die Dinge wie auf einer Liste abgehakt und beschlossen.
Ein „Zurück“ wäre ein feiger Zug von der 21jährigen und diese Blöße wollte sie sich nicht geben, denn es wäre eine Schande – nicht nur für sie, sondern auch für Hayashi, der große Erwartungen in ihr sah.

„Warte doch mal!“, ertönte Ruki’s Stimme in den Gehörgängen von Mandy, als diese den langen und sich immer mehr füllenden Gang entlang bewegte.
Aber sie drehte sich nicht um, sondern brachte Ruki kurz darauf dazu,  sie an der Schulter in seine Richtung zu drehen.  Weniger überrascht als genervt blickte sie in das Gesicht des 27jährigen Sängers und seufzte.
„Was denn?  Willst du mir noch irgendetwas mitteilen, dass ich wissen sollte?“, fragte sie auch sofort und sah Ruki jedoch nur lächeln, ehe er sich leicht zu ihr vorgebeugt hatte.
„Ich soll dir beim Sachenpacken helfen, damit du nicht zu viel oder zu wenig einpackst.“, gab Ruki als Erklärung und konnte doch sofort erkennen, dass es für Mandy der Hohn sein musste, dass man ihr nun auch solche Dinge zumutete.
Sie hatte ihre Hände in die Hüften gestützt und verkniff sich mühevoll ein spottendes Lachen.
„Hör mal, ich brauch keinen Babysitter. Ich meine….ich versteh es einfach nicht.“, reagierte die 21jährige regelrecht empört und kehrte Ruki den Rücken zu.
Sie wollte ihn nicht beleidigen oder ihm auf andere Art und Weise unhöflich erscheinen, doch er sollte lernen,  sie zu verstehen – und vielleicht tat er es ja, nur Mandy war zu stur?
In diesem Augenblick konnte alles möglich sein und es die 21jährige wieder zum Stehen brachte. „Aber lass die Finger von meiner Unterwäsche.“, seufzte Mandy und betrat nun zusammen mit Ruki den Parkplatz, auf welchem sie ihren Wagen geparkt hatte.  Sie konnte den 27jährigen dabei beobachten, wie dieser musternd ihr Auto betrachtete  und schließlich ein verschmitztes Lächeln seine Lippen zierte, ehe er die flache Hand auf das Heck des Wagens legte.  „Man merkt, das du Japan sehr zu mögen scheinst.“, stellte der Sänger fest, nachdem Mandy ihn gebeten hatte, in das Auto zu steigen.
Natürlich schien Ruki verwirrt zu sein, da der Straßenverkehr in Japan linksbündig ablief.
„Nun schau nicht so, bei uns fährt man nun mal auf der rechten Seite und das Lenkrad befindet sich links. Und um auf deine Feststellung zurückzukommen….wie ich es bereits mehrmals erwähnte, war es schon mein Traum dieses Land zu bereisen, seit ich 14 Jahre alt bin. Aber bis jetzt hat das alles nicht so recht funktioniert.“,  erklärte Mandy, die jedoch feststellen musste, dass Ruki ihr gar nicht recht zuzuhören schien, sondern mehr damit beschäftigt war, sich die vorbeiziehenden Häusermauern und vorbeifahrenden Autos zu betrachten.
Die 21jährige ging auch nicht weiter darauf ein, sondern ließ den Sänger einfach machen, bis sie irgendwann kurze Zeit später in ihrer Wohnung standen und Ruki’s Gafferei weitergehen konnte. „Was ist hier so anders, dass du dir alles genau ansehen musst?“, fragte Mandy irritiert von der Tatsache,  dass vieles in Japan doch anders zu sein schien, wie sie es zunächst vermutet hätte. Doch sie entschied sich, Ruki einfach seinen von Neugierde ausgelöstem Drang freien Lauf zu lassen und sie sich selbst in der Küche verschanzte, um sämtliche verderbliche Nahrungsmittel in Körbe zu räumen und ihrem Nachbarn zu übergeben, damit dieser sie sinnvoll verwerten konnte.
„Nette Wohnung….aber was tust du da?“, ertönte daraufhin die Stimme des 27jährigen Sängers, welcher Mandy wahrscheinlich bei ihrem Tun beobachtet haben musste und es die 21jährige leicht erschrocken zusammenfahren ließ.
„Ehm….naja, ich räume alles was verderblich ist in Körbe und gebe diese dann zu meinem Nachbarn. Ich kann das alles ja nun nicht mehr verwerten, es sei denn, du hast schon wieder Hunger.“, erklärte Mandy und führte ihr Tun fort, nachdem sie nur ein schweigendes Kopfschütteln auf die Tatsache erhalten hatte, ob Ruki noch immer hungrig war.
Es verging auch nicht all zu viel Zeit, bis Mandy damit fertig war und sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzen konnte. Nun wollte sie ihre Sachen packen und Ruki hatte man ihr dafür wie einen Wachhund angesetzt.
Für die 21jährige konnte es nicht mehr als in einer Katastrophe und unzählig vielen Peinlichkeiten enden – etwas, was schon wieder zu viel für diesen Augenblick war und es Mandy genervt die Augen rollen ließ, während sie mit vor der Brust verschränkten Armen vor ihrem Kleiderschrank  stand. „Dein Kleiderschrank  ist mit Sicherheit doppelt so groß, wie meiner…von daher ist es ohnehin besser, ich packe selbst meine Sachen.“, meinte Mandy und hörte den vor ihrem Kleiderschrank knieenden Ruki nur lachen, während dieser prompt einen
Zusammengeknörten Stapel Kleider aus dem Schrank der jungen Frau zerrte und einige Stücke davon begutachtete. Mandy wusste, was es bedeutete, wenn Ruki Kleidungsstücke begutachtete – sein eigener Kleidungsstil ließ oftmals zu wünschen übrig, insofern er nicht von einem Lichtblick besucht und zur Vernunft gebracht wurde. Kurz darauf war ein Räuspern zu hören, welches der 21jährigen die Stirn kraus werden ließ. „Ziehst du so etwas auch am Tage an? Ich meine….das gehört doch eigentlich zu den Dessous, oder etwa nicht?“, hob Ruki daraufhin fragend seine Stimme und stand vom Boden auf, um Mandy ein eher etwas aufreizendes Kleidungsstück aus schwarzer Spitze, welches man als Negligé bezeichnete,  vor die Nase zu halten und dabei schelmisch zu grinsen. Der 21jährigen schoss dagegen sofort Schamröte in das Gesicht und sie wäre viel lieber an Ort und Stelle im Erdboden versunken. „Gib das her!“, fuhr sie den 27jährigen Sänger an und riss ihm das Stückchen Stoff aus den Händen, um es in einem anderen Schrank wieder verschwinden zu lassen. Ruki jedoch kicherte und schien sich über die Röte im Gesicht der jungen Frau vor sich zu amüsieren.
„Ich kann nichts dafür, wenn das zwischen deinen Klamotten liegt…“, wies er sämtliche Schuld von sich und widmete sich weiterhin den Kleidern der 21jährigen, die daraufhin nur schmollend dabei zu sah, wie man ihren Koffer packte. Glücklicherweise konnte Mandy behaupten, dass es nur Kleidungsstücke waren, die sie auch gern am Leibe trug, während der Rest eher als allerletzte Notlösung oder Putzlappen verwendet werden konnte. Schon bald war sie mit dem Packen fertig, hatte Familie und Freunde von ihrem Vorhaben in Kenntnis gesetzt und war nun bereit, einen großen Schritt zu machen – Japan, das Land der aufgehenden Sonne, wartete bereits und wollte sie mit offenen Armen empfangen. Doch Mandy spürte, dass sie trotzallem noch einen weiten Weg vor sich haben würde, bis sie wirklich behaupten konnte, Japan mit ihren eigenen Füßen betreten zu haben.
Und der immer näher kommende Abend bestätigte all die Gedanken, die die 21jährige bereits hegte, als sie noch einen letzten Blick in ihre Wohnung geworfen hatte. Man hatte Mandy samt Gepäck in der Hotellobby sitzen gelassen. Da war kein Ruki mehr, den sie fragen und welcher sie über die Dinge aufklären konnte und auch kein Hayashi, der ihr mit einem lächeln erklärte, das alles in Ordnung sei.  Allein nur die Worte des Marketingpromoters hallten in ihrem Kopf.

„Ihr Zimmer ist bereits reserviert…“.

Das war das einzig Hilfreiche, das man dieser jungen Frau hinterlassen hatte, als auch schon ein junger Mann in Hotelpersonalbekleidung vor ihr stand und ihr freundlich in das Gesicht lächelte.
„Sie müssen Fräulein Lakotta sein, nicht wahr?“, hob der junge Mann fragend seine Stimme und hielt Mandy eine mit Zahlen bedruckte Karte vor die Nase. „Das ist die Schlüsselkarte zu ihrem Zimmer, junge Frau. Gehen Sie doch ruhig schon nach oben, das Gepäck bringt selbstverständlich das Personal auf ihr Zimmer.“, gab der junge Mann weiterhin zu verstehen, doch verwirrte er Mandy nur noch mehr.  „Sie meinen, ich gehe jetzt zum Fahrstuhl und suche mein Zimmer?“, antwortete die 21jährige mit einer Gegenfrage, obwohl es sich doch immer wieder als unfreundlich entpuppte, und erhielt ein bestätigendes Nicken von ihrem unverändert lächelnden Gegenüber. Im Grunde genommen war ihre Frage mehr als überflüssig gewesen, doch was sollte Mandy aus ihrer Verwirrtheit heraus schon dagegen unternehmen können? Nichts.
„Okay…danke.“, kam es daraufhin fast schon geistesabwesend von der jungen Frau, ehe diese den Fahrstuhl aufsuchte und darin verschwand.  Mandy kam sich in der Tat dumm vor. Aber im Moment erwies es sich als zwecklos, sich Gedanken um solche eher unwichtig erscheinenden Dinge zu machen. Stattdessen suchte sie nach ihrem Zimmer, nachdem sich aus dem Fahrstuhl in den langen Flur getreten war.
„Zimmer 111 also? Das liegt ja direkt meinem gegenüber.“.
Eine sanfte Stimme drang gefolgt von einem fast noch kindlich en Kichern in das Ohr der 21jährigen, die aufgrund des Klanges der Stimme und der gebrochen englischen Sprache zusammenzuckte und sich hastig in die Richtung des dazugehörigen Besitzers drehte.
Man hatte ihr bereits mit dem Erscheinen von Ruki einen gigantischen Schrecken, der einem mentalen Herzinfarkt ähnelte, eingejagt und nun stand auch noch ER vor ihr –Aoi.
Alles in allem erschien es der jungen Frau fast so, als wäre sie das Opfer einer hinterhältigen Verschwörung und so fühlte es sich auch an. Jeder wusste mehr, nur Mandy blieb die Unwissende, die weiterhin im Dunkeln tappen und mit weiteren Überraschungen rechnen musste, so, wie sie es bereits geahnt hatte. „Eh….“, kam es perplex aus dem Mund von Mandy, ehe dieser die Schlüsselkarte zu ihrem Zimmer aus den Händen fiel und nur Aoi’s Lächeln wie ein Stigma in ihren Augen festbrannte. „Bin ich so entsetzlich?“, fragte der mittlerweile 30 Jahre altgewordene Gitarrist und hob höflich die Karte vom Boden auf, ehe er sie der fast erstarrten Mandy in die Hand drückte. „Nein…natürlich nicht.“, stammelte sie und nahm die Karte entgegen, ehe sie sich dankend verbeugte. Aoi jedoch lächelte nur wieder, dieses Mal aber verständnisvoller und verabschiedete sich im nächsten Moment winkend, ehe er in seinem Zimmer verschwunden war. Mandy dagegen hatte das Gefühl, dass ihr Herz kurz davor war, einfach stehen zu bleiben. Doch ehe sie noch weiter einen Gedanken daran verschwenden konnte, hatte sie per Karte ihr Zimmer geöffnet und verschwand darin.  Der Anblick, der sich ihr allerdings daraufhin bot, gehörte eher in einen ihrer fernen Fantasien oder einem der häufig von ihr gesehenen Filme. „Wow!“, kam es staunend über ihre Lippen, als sie von der Feststellung überrascht wurde, dass dieses Zimmer nicht wie ein übliches Hotelzimmer ausgestattet war und schon eher unter die Kategorie der Suiten fiel. Mit einem Lächeln auf den Lippen tippte sich die 21jährige selbst gegen die Stirn und rief sich in Erinnerung, das bereits die Leuchtreklame am Eingang verriet, um was für eine Art Hotel es sich dabei handelte und nicht umsonst trug es nicht den Namen „Suiten-Hotel Berlin Potsdamer Platz“. Dieses Hotel befand sich in Berlin Mitte und lag auch nur wenige Gehminuten vom Potsdamer Platz entfernt. Es stach mit seinen 229 Zimmern auch nicht aus der Masse heraus oder versuchte mit übermäßigem Prunk den anderen Hotelketten zu trotzen, sondern klotze lieber mit seinen  drei Sternen, statt zu kleckern. Schon allein der jugendlich-moderne Stil und dem überaus freundlichen Hotelpersonal zeugte von Einzigartigkeit. Alles das waren Dinge, wenn auch nur Kleinigkeiten, die dieses Hotel selbst unter großen Hotelketten wie „Hilton“ auf seine eigene Art auffällig werden ließ.


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Verfasst: So 26. Sep 2010, 16:15 




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BeitragVerfasst: Sa 2. Okt 2010, 13:18 
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Zunächst einmal willkommen hier in diesem halbtoten Forum, auch wenn ich mich freue, dass jemand mit derartig viel Ausdauer hierher gefunden hat. 8-)

Ich fang' mal langsam an:

Weniger ist manchmal mehr: Der optische Eindruck bei E-Books ist ein anderer als bei echten Büchern, Gleiches gilt für Geschichten. Um das naheliegenste Beispiel zu nennen: Ich war mir zu Beginn nicht einmal sicher, ob ich mir überhaupt alles durchlesen wollte, weil es ein gigantischer "Textblock" war. Und auch mittendrin beschlich mich immer wieder das Gefühl Textpassagen zu überspringen, die die Geschichte in meinen Augen nicht voran brachten. Allerdings - und das muss ich betonen - lag das vorangehend daran, dass ich mit der Band nichts anfangen kann. Nicht meine Musikrichtung.

Das Problem beim kritisieren darauf folgend ist übrigens - und davor stehe ich nun - das ich mich nicht mehr allzu genau an bestimmte Textpassagen erinnern kann. Oder anders gesagt: Wo ich normalerweise begonnen hätte blockartig zu zitieren, beschränke ich mich hier auf den Inhalt. Das ist an sich nicht schlimm, aber wenn Du eine Einschätzung Deines Schreibstils möchtest wäre ein aufteilen des Kapitels sinnvoll. Sinnabschnitte für den Leser sind manchmal durchaus angenehm. Edit: Und nein, Absätze sind keine Sinnabschnitte, dafür liegt zu viel Text beieinander. Nach einander zu posten wäre da schon etwas mehr... hilfreicher. ;)

Apropos Schreibstil: Bis auf zwei, drei kleine Sachen hab ich nichts als störend empfunden. Der Lesefluss war durchgängig ein Fluss und ich habe nie den Faden verloren.

Der größte Knackpunkt (meiner Meinung nach) wären die Charaktere. Naiv und zurückhaltend in allen Ehren, aber ab und an kam ich mir vor als hätte ich es mit Mustern frisch aus der Kupferwanne zu tun, die ihre Entwicklung entweder noch vor sich haben (trotz 21 Jahre) oder diese vollkommen verpasst haben. Wenn der Effekt erwünscht ist, wunderbar (und vielleicht bin ich einfach zu abgestumpft für den Sinn), wenn nicht hilft nichts anderes als eine kleine Einführung an den Charakter. Vielleicht wäre dann sogar eine Ich-Erzählung durchaus angebrachter.

Was auf jeden Fall gelungen ist, ist das "Märchen"-Gefühl, dass ich zusammen mit der Protagonistin erlebt habe. Praktisch gesehen könnte man sagen, ich hab so manche Frage durchaus nachvollziehen können, auch wenn ich nicht so permanent verwirrt gewesen wäre. :lol:



Ich hoffe ich konnte Dir mit einer ersten Einschätzung weiterhelfen.
Liebe Grüße

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BeitragVerfasst: Sa 2. Okt 2010, 18:31 
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Hatte vergessen anzumerken, dass die Story noch nicht fertig ist?
Naja, dann tue ich dies jetzt :mrgreen:
Abgesehen davon...ich bin doch ohnehin dabei, einige Dinge an der Story zu ändern (wenn mir nicht immer die Zeit dazu fehlen würde :( )....

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BeitragVerfasst: Sa 2. Okt 2010, 18:52 
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Jiyuue hat geschrieben:
Hatte vergessen anzumerken, dass die Story noch nicht fertig ist?


Nein, aber das habe ich mir bereits gedacht. :) Wenn Du erst am Ende Kritik wünscht, ist das auch in Ordnung.

Jiyuue hat geschrieben:
Abgesehen davon...ich bin doch ohnehin dabei, einige Dinge an der Story zu ändern (wenn mir nicht immer die Zeit dazu fehlen würde :( )....


Na, dann bin ich mal gespannt - auch wie die Geschichte weitergeht. ;)

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BeitragVerfasst: So 3. Okt 2010, 10:03 
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Kamerad_Fritz hat geschrieben:
Jiyuue hat geschrieben:
Hatte vergessen anzumerken, dass die Story noch nicht fertig ist?


Nein, aber das habe ich mir bereits gedacht. :) Wenn Du erst am Ende Kritik wünscht, ist das auch in Ordnung.

Jiyuue hat geschrieben:
Abgesehen davon...ich bin doch ohnehin dabei, einige Dinge an der Story zu ändern (wenn mir nicht immer die Zeit dazu fehlen würde :( )....


Na, dann bin ich mal gespannt - auch wie die Geschichte weitergeht. ;)



Ich werd mir Mühe geben^^
Zumal ich ja diese Story und noch eine andere in Arbeit habe - nehme (wenn ich sie habe) immer abwechselnd Zeit dafür^^
Die andere is zwar keine FF, aber, kann man eigene Werke auch reinstellen?

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BeitragVerfasst: So 3. Okt 2010, 16:28 
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Immerzu. Dafür ist dieses Forum hier gedacht.

Allerdings weiß ich gar nicht, in welchem Thread. Da werde ich nochmal nachhaken.

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BeitragVerfasst: So 3. Okt 2010, 18:11 
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Wäre nett, wenn du mir dann bescheid geben würdest^^
Schon mal im Voraus vielen Dank.

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