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 Betreff des Beitrags: Das Schicksal der Erde - 2. Kapitel
BeitragVerfasst: Fr 3. Apr 2009, 03:37 
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"Hass über Neues"
Irgendwo über Europa – 23. Juli 21:55 Uhr

Der Weg zum militarisierten Flughafen hatte nicht lange gedauert. Für viele Menschen damals unvorstellbar gewesen schien eine solche Einrichtung für Militärflugzeuge Alltag. Es war ähnlich wie die Tatsache, dass man beschlossen hatte sämtlichen Platz optimal auszunutzen, solange man in der Lage war den Planeten am Leben zu erhalten. Und das war eine schwierige Prozedur, die jederzeit abbrechen konnte. Viele Menschen scheinen einfach nicht in der Lage zu sein zu begreifen, welche weitgreifenden Veränderungen mit der Zukunft kamen. Die Ionendüsen dröhnten in die Ohren von Reinhardt wieder, der wie alle anderen weder Helm noch Maske aufgesetzt hatte, auch wenn letzteres viel mehr nur ein Visier mit Atemhilfe war. Zusammen zu dem Exoskelett, gefertigt aus Chromial, eine Metallverbindung aus Chrom, Stahl und anderen Eisenstoffen wirkten sie nicht mehr wie Soldaten. Zumindest vertrat Reinhardt diese Meinung. Das Flugzeug war nicht wirklich beengend, der Laderaum in dem sie sich befanden war weiträumig, ein Fahrzeug hätte ohne Probleme hier Platz gefunden, wenn nicht gar ein Panzer. Einige Kisten standen herum, insgesamt waren sie die einzig brauchbaren Sitzplätze. Alexander, der ins Cockpit gegangen war, würde jetzt nur noch stehen können wenn er wieder kam. Doch die wirklichen Gedanken lagen über den Einsatz. „Alles näherte wie beim Absprung übertragen.“ Ein Absprung – nicht mal mit Fallschirmen, sondern ein Phasenabsprung. Und das auch noch in einem Zivilgebiet, welches von Rebellion und Aufstand gekennzeichnet wurde seit Tagen. Reinhardt hasste es. Er hasste es nicht Bescheid zu wissen.

Ein weiteres Dröhnen, lauter als die Ionenantriebe von außerhalb ging durch das Flugzeug und jeder wandte seinen Blick in Richtung Cockpit, aus dessen Tür Alexander geschritten kam. Sein Lachen von der Rauferei vorgestern schien vollkommen verschwunden. Petric richtete sich als erstes auf begann ein bisschen umher zu wandern, als der Kommandant versuchte gegen den Lärm anzubrüllen. „Gleich geht’s los, Helme auf, Männer!“ Auch wenn Reinhardt nur die Hälfte verstanden hatte wusste, was gemeint war. Spätestens als Jauruk neben ihm zuerst die Maske aufsetzte, gefolgt vom Helm. Er tat es ihm gleich. Schwärze legte sich vor sein Auge, bevor auch noch eine bedrückende Enge hinzukam. Ein Gefühl, dass man unmöglich besser beschreiben konnte, als mit einer engen, glitschigen Höhle, durch die man zu kriechen hatte. Er betastete seinen Gürtel, dann seinen Brustkorb und griff um seinen Rücken. Einen Knopf suchte er, doch wo war er? Gedämpft vernahm er das, was einmal die Turbinen waren, den Rest vernahm er gar nicht mehr. Plötzlich legte sich eine kräftige Hand auf seine Schulter. Reinhardt erschrak fast augenblicklich, als mit einem Ruck an seinem Rücken plötzlich das Visier aktiviert wurde. Das Geräusch der Maschine des Exoskeletts, welches nun hochfuhr, hinterließ ein leises Klingeln in seinen Ohren als er sich langsam beruhigte. Er sah zu dem Helm eines seiner Kameraden. Es war unmöglich zu erkennen, welcher von ihnen es war. „Alles in Ordnung?“ Die Stimme von Jauruk klang mechanisch übertragen, nicht zu laut, nicht zu leise. Ähnlich einem Summen in seinem Ohr. Reinhardt nickte, unfähig etwas zu sagen, als es ihm sein Sitznachbar gleich tat, sich aufrichtete und Alexander – der einzigen Gestalt mit einem silbernen Abzeichen auf dem Stirnbereich seines Helms, nämlich zwei überkreuzten Gewehren – zuwandte. Reinhardt schlug einmal kräftig gegen seinen Helm, sodass ein lauter Piepton durch Mark und Bein von ihm drang und er ruckartig aufstand. Texte leuchteten plötzlich visuell vor seinem Auge auf, die ihn benachrichtigen, dass sein Rücken nicht in optimaler Position für den Transport sei. Er seufzte, als eine rote Schrift am unteren Rand ihm mitteilte, er sei in den 27. Trupp der 3. Kompanie eingeklinkt worden. Plötzlich drang bereits die Stimme Alexanders in sein Ohr, ähnlich wie Jauruk zuvor, jedoch war die Stimme nun weder mechanisch unterlegt noch unklar. Sie klang, als würde er ihm direkt, ohne Ausrüstung zuhören. Keine indirekte Verbindung, wie mit seinem Sitznachbarn. „-unten sind will ich, dass ihr Euch so schnell wie möglich zu den angegebenen Koordinaten begebt. Je schneller wir in der Stadt sind, desto schneller kommen wir hier wieder weg.“ Ein „Jawohl“ von jedem, und schon wandte sich der Offizier ab in Richtung Ladeluke, die sich bereits öffnete. „Phasensammler kontrollieren.“ Reinhardt griff an seinen Gürtel, drückte einen Knopf bis zum Anschlag hinein, obgleich er keinen Druck an seinem Becken spürte, bevor er angestrengt an das Wort „Phasensammler“ dachte. Eine visuelle Anzeige leuchtete auf, die einer virtuellen Oberfläche ähnelte, nur dass hier lediglich Statusabfragen stattfanden. „Phasensammler – Einsatzbereit“ war die einzige Zeile, mit der Soldat Adenauer etwas anfangen konnte, als alles schon wieder verschwand. „Check“ gab er gleich hinter Jauruk ab, als Alexander ihm zuwinkte. Kurz noch drehte Reinhardt herum und griff nach dem Sturmgewehr, welches abgewandelt einer G3 stark ähnelte, als er schon zur Ladeluke sprintete. Ein Quietschen das so laut war, dass er es selbst durch sein Gehörfilter für laute Geräusche vernahm – nämlich als Knistern – bevor er seinem Offizier die Waffe in die Hand drückte. Dieser trat fast unverzüglich hinter ihn und montierte die Waffe (weswegen er fast in die Knie gegangen wäre), bevor er seine Schultern noch einmal kreiste und näher heran schritt. Die Wolken konnte er unter sich sehen. Zwei weitere Male klackte es, bevor ein helles, grünes Licht den Laderaum des Flugzeuges fluteten, welcher sonst in einem Grauton alles totzuschweigen schien, was sich ihn ihm befand. Petric und Karlsen an ihm vorbei rannten und hinab springen, ohne Furcht. Reinhardt wartete einen Moment, bevor er die letzten Meter im Lauf nahm… und sich vom Rand abstieß.

Es war ein unvergleichliches Gefühl im ersten Moment frei in der Luft zu sein, und umso beklemmender wenn man wusste, dass man keinen Fallschirm auf seinem Rücken hatte. Petric und Karlsen konnte er bereits nicht mehr erkennen. Kleine visuelle Anzeilen checkten weiterhin seinen Anzug als er die Stimme Alexanders deutlich vernahm. Er drehte sich im Flug mit einem Ruck um, so gut es eben ging, während er seine Arme ausgebreitet hatte um nicht zu trudeln. Das Flugzeug wurde immer kleiner. Sein Herz begann zu pochen. „Deine Herzfrequenz nimmt zu Reinhardt, beruhige Dich.“, ertönte es. „Tue ich, tue ich!“, brüllte er fast schon, als mit einem Mal alles weiß um ihn wurde. Er erschrak so heftig, dass er sich ruckartig umdrehte, die Arme weiterhin ausgebreitet hielt und nach unten sah. „Beruhige Dich!!“, kam es nun bellend aus seinen Lautstärker. „Ich bin ruhig…. Ich bin ruhig.“, murmelte Reinhardt zu sich selbst. Er hasste dieses Gefühl. Hasste, hasste, hasst es. Er stürzte sich freiwillig in die Tiefe, bereit bei einem Fehler zu sterben ohne Bescheid zu wissen oder sich retten zu können. Kein Fallschirm, kein Haken, kein Seil – die ihm vermutlich alles ausgerenkt und gebrochen hätten bei der Geschwindigkeit – und nur noch am Leben auf Grund der Maschine, die eine vitale Umgebung für ihn schafften. Er atmete tief ein, erkannte den Boden. Er kam immer näher. „Gut so.“, sprach Alexander nun besänftigend, „Du hast es gleich geschafft, hörst Du? Jeder war bei dem dritten Mal noch so aufgeregt wie Du.“ – „Ja, das glaube ich ohne zu zögern.“, antwortete er abrupt. Der Offizier lachte, als er die deutlichen Konturen eines Hauses erkannte. „Alex, Wolf tunnel mich!“, rief er nun. Keine Antwort. „Alex!“ Noch immer keine Antwort. Er kniff die Augen zusammen. Er würde sterben. Er würde verenden. Von über der Wolkendecke gesprungen hinab im freien Fall in Richtung Erde bei vollen Bewusstsein durch ein Dach. Hoffentlich traf er keinen Bewohner. „Sprung eingeleitet.“, ertönte es monoton, und noch ehe Reinhardt hätte reagieren können spürte er einen starken Schlag in seinem Magenbereich. Er hatte das Gefühl alles was sich in seinem Körper befand würde nach hinten aus dem Körper geschlagen werden, als Schwerelosigkeit eintrat. Er öffnete die Augen, und die Schwerelosigkeit schwand. Stattdessen übernahm ein Adrenalinrausch bei der Geschwindigkeit die er sah, jedoch nicht spürte. Dann ein grelles Licht…

Unsanft war noch sehr wohlwollend umschrieben gewesen für die Art und Weise, mit der er den Boden traf. Abgerollt hatte er sich, kaum nachdem er die Arme schützend vor sich genommen hatte. Es hatte sich angefühlt, als wäre er lediglich zwei Meter gefallen. Er keuchte, griff um seine Seite herum nach seiner Waffe und richtete sie auf Anschlag vor sich, als er Petric ins Fadenkreuz nahm. Dieser bereits ohne Helm winkte ab, als er sich erneut nach vorne drehte. Ein weiterer Helm lag auf dem Boden, während sich eine Gestalt ins Gebüsch reinbückte. Reinhardt drückte erneut auf seinem Knopf an dem Gürtel, bevor die Umgebung vollkommen ungestört an sein Ohr drang. Das erste was er vernahm war ein würgendes Geräusch, bei dem jemand versuchte sein Abendessen loszuwerden. „Man, ich hab Dir doch gesagt, dass Du vor dem Einsatz nichts mehr essen sollst.“ Petric hob die Schultern und hielt die Hände seitlich von sich weg, als sich Karlsen gebückt umdrehte. „Fick Di-“, doch die Beleidigung wurde je durch einen weiteren Schub unterbrochen. Reinhardt fasste sich mit der linken Hand fast unweigerlich an den Magen, bevor er herumdrehte. Ein violetter Lichtblitz, lediglich sichtbar durch diese Art von Maske, und eine Gestalt fiel heraus. Mit einem „Umpf“ landete sie, rollte sich ab, ergriff die Waffe und richtete sie auf Reinhardt. Dieser winkte lässig ab.“Bei angespannten Verhalten oder offensichtlicher Aggression sofort feuern.“, Regel 1 beim Phasenspringen. Jauruk senkte die Waffe, ließ den Helm jedoch wie seinen ehemaligen Sitznachbarn aufgesetzt, als er einen Knopf an seinem Gürtel drückte, sich aufrichtete und zu Petric und Karlsen sah. „Was habt ihr de- HALT DEN MUND!“, brüllte ihm letzterer entgegen, als seinen Mund mit dem Exoskelett abwischte und nach seinem Helm griff. Ein komischer Anblick war er, das fiel Reinhardt erst jetzt auf. Mit Maske, aber ohne Atemschutz sah man wie jemand mit übergroßer Sonnebrille aus. Der Koaxialschütze Haggart schüttelte den Kopf, als er mit seiner freien Hand von dem Maschinengewehr loskam und Zeige- sowie Mittelfinger an seinen Helm drückte. „Alexander, melde Dich.“ Stille folgte. Jauruk versuchte es nochmal: „Wolf, bitte kommen.“ Dann ertönte endlich eine Antwort: „Bin falsch abgesprungen, treffen uns an Punkt Charlie.“ Erleichtert atmeten die beiden Soldaten auf, als auch Petric und Karlsen ihre Helme wieder aufsetzten. „In Ordnung, wir übernehmen die Feldseite.“, Petric deutete mit dem Daumen über seine Schulter, während er mit der rechten sein Scharfschützengewehr geschultert hielt, „Ihr werdet euch den Bauernhof vorknöpfen.“ Keiner wiedersprach, wenn sie sich trennten war die Chance geringer entdeckt zu werden. Karlsen lud als Erstes sein Sturmgewehr durch, jeder tat es ihm gleich. „Viel Glück da draußen. Wolf, Ende.“, war die letzte Übertragung, als Untertrupp JK sich bereits auf den Weg machte. Jauruk wandte sich an Fritz. „Glaubst Du wir begegnen Aufständischen?“, fragte er. Er klang weder nervös, noch in sonst irgendeiner Art und Weise beunruhigt. Viel mehr… mitleidig. Fritz schüttelte den Kopf: „Hoffen wir es nicht.“, und auch Untertrupp FJ ging los, nachdem sie die Mauer des Vorhofs nahe der Scheune übersprungen haben und leise zum leicht bewaldeten Gebiet schlichen. Reinhardt tippte fast vollkommen unbewusst mit dem Zeigefinger an seinen Helm, woraufhin ein halb durchsichtiges Satellitenbild aufgeklappt wurde. Punkt Charlie befand sich scheinbar am Rande der Stadt, gute zwei Kilometer entfernt von hier…


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Verfasst: Fr 3. Apr 2009, 03:37 




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